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Effiziente Instandhaltung 5.0 durch neue ISO-Standards

Diesen Sommer hat die Internationale Organisation für Normung (ISO) neue Aktualisierungen der ISO-55000-Reihe veröffentlicht - einer umfassenden Sammlung von Standards für das Asset Management.

Diese Normen geben Leitlinien und Anforderungen zu zentralen Aspekten wie Wertschöpfung, organisatorischer Ausrichtung, Führung, Ergebnissen und Nutzen des Asset Managements sowie messbarer Verbesserung und Reifegradentwicklung.

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass ISO-Normen nur für Großunternehmen, bestimmte Branchen oder rein zu Compliance-Zwecken gedacht sind. In Wirklichkeit bieten sie jedoch einen leistungsstarken Rahmen, um Asset Management wirksamer mit den geschäftlichen Anforderungen zu verzahnen. Ein Bereich, in dem sogenannte „Maintenance Maturity“oder „Maintenance 5.0“-Modelle oft an ihre Grenzen stoßen.

   

Wo „Maintenance Maturity“ an ihre Grenzen stößt …

 „Maintenance Maturity“-Modelle, die erstmals 1999 von Winston Ledet vorgestellt wurden, sind aufgrund ihres strukturierten Ansatzes zur Verbesserung von Wartungspraktiken populär geworden. Sie stellen Reife in der Regel als eine Reihe von Schritten oder Fähigkeiten dar, die Unternehmen entwickeln können, um ihre Wartung zu „verbessern”. 

Eine gängige Darstellung der Wartungsreife¹

Diese Modelle sind besonders attraktiv für Unternehmen, die eine klare Strategie suchen, um dem ständigen „Feuerlöschen“ im Rahmen einer rein reaktiven Run-to-Failure-Wartung zu entkommen.

Durch den Wechsel zu datenbasierten Ansätzen erzielen sie oft schnell spürbare Erfolge: weniger ungeplante Stillstände, geringere Instandhaltungskosten, höhere Sicherheit und Produktivitätssteigerungen, die es ermöglichen, Dutzende von Mitarbeitenden für strategischere Aufgaben einzusetzen.

Doch je weiter Unternehmen in diesen Modellen voranschreiten wollen, desto deutlicher treten große Herausforderungen zutage.

Eine dieser Hürden lässt sich als „Maturity Myopia“ – also Reifegrad-Kurzsichtigkeit – bezeichnen: ein zu enger Fokus auf Technologie und Fähigkeiten, während andere Verbesserungsfelder einen deutlich größeren Einfluss haben könnten. Asset Management sollte vielmehr als ein „System von Systemen“ betrachtet werden, bei dem Faktoren wie Führungsengagement, Prozesseffizienz oder Kompetenzen eine entscheidende Rolle für bessere Entscheidungen und Ergebnisse spielen.

Das Konzept des „Reifegrads“ selbst kann schnell zur Sackgasse werden: Wartungsteams verfolgen dann Meilensteine, die zwar den Reifegrad belegen, aber wenig geschäftlichen Mehrwert bringen. So wird beispielsweise oft der Anteil präventiver Eingriffe als KPI hervorgehoben, ohne diesen mit den strategischen Prioritäten eines CFO oder CEO in Einklang zu bringen.

    

… Und wo ISO-55000 helfen kann

Die neuen Aktualisierungen der ISO-55000-Reihe bieten einen Ausweg aus dieser Sackgasse und zeigen, wie sich die Grenzen von Reifegradmodellen überwinden lassen.

Vier zentrale Vorteile für Asset-intensive Unternehmen können hervorgehoben werden:

1. Komplexität mit praxisnahen Schritten reduzieren

Einer der größten Vorteile der überarbeiteten ISO-Normen ist ihr Fokus auf konkrete, umsetzbare Maßnahmen statt auf rein theoretische Reifegrad-Sprünge. 
So enthält die ISO-55001 beispielsweise neue Abschnitte zur Entscheidungsfindung im Asset Management sowie zu Maßnahmen, um Risiken und Chancen gezielt anzugehen. 
Dieser Ansatz liefert Unternehmen einen klaren Fahrplan, um ihre Asset-Management-Praxis zu optimieren mit kontinuierlicher Verbesserung, statt einer kompletten Systemumstellung „über Nacht“.

2. Ein systematischer Ansatz mit Fokus auf Unternehmensziele

Anstelle einer rein reifegradorientierten Strategie zielen die aktualisierten Standards darauf ab, dass Unternehmen ihre strategischen Ziele durch effektives und effizientes Asset Management erreichen können.

Die neue Normenreihe unterstützt dabei die Entwicklung eines Strategic Asset Management Plan (SAMP) und enthält klarere, spezifischere Anforderungen zu Themen wie Entscheidungsfindung, Wertschöpfung aus Assets, Asset-Management-Planung, Risikomanagement, Daten- und Wissensmanagement sowie zum gesamten Lebenszyklusbetrieb.

3. Einbeziehung der Menschen- und Datendimension im Asset Management

Die beiden am häufigsten übersehenen Aspekte bei der Einführung neuer Technologien sind die Einbindung der Mitarbeitenden und das Datenmanagement. Genau diese Bereiche werden in den aktualisierten Standards adressiert.

Die ISO-55012 gibt klare Leitlinien, wie sich die Beteiligung und Kompetenz von Mitarbeitenden im Asset Management stärken lassen. Entscheidend dafür, dass im Unternehmen die richtigen Fähigkeiten, Schulungen und das nötige Wissen vorhanden sind. Parallel dazu bietet die ISO-55013 ein solides Rahmenwerk für den Umgang mit Daten-Assets, unterstützt fundierte Entscheidungsprozesse und stellt die Einhaltung von Compliance-Vorgaben sicher.

4. Abstimmung mit den Finanzfunktionen

Die neue ISO-55010 liefert praxisorientierte Empfehlungen, um finanzielle und nicht-finanzielle Asset-Management-Funktionen aufeinander abzustimmen. Das ist ein entscheidender Schritt, um sicherzustellen, dass Instandhaltung die „Sprache“ der Unternehmensführung spricht und sich an den Werkzeugen sowie den Kennzahlen orientiert, die im Top-Management verwendet werden.

Das Ergebnis ist ein viel klarerer Überblick über Auswirkungen, Prioritäten und Investitionen. Zudem wird direkt verständlich, wie Investitionspläne zu strategischen Unternehmenszielen – einschließlich ESG-Zielen – beitragen.

   

Ein umfassender Fahrplan: ISO und Asset Performance Management

Der Übergang von kalenderbasierten und reaktiven Instandhaltungspraktiken hin zu einem ganzheitlichen Asset-Management-Ansatz im Einklang mit ISO-55000 bedeutet nicht, dass Unternehmen bei null anfangen oder ihre bisherigen Investitionen abschreiben müssen.

Asset-intensive Organisationen verfügen in der Regel über eine Fülle an Betriebsdaten, die in ihren Enterprise Asset Management-Systemen (EAM) gespeichert sind, darunter Arbeitshistorien, Kosten, Ausfallberichte sowie Zustands- und Prozessdaten. 
Die ISO-55000-Standards, mit ihrem Schwerpunkt auf fundierten Entscheidungen auf Basis umfassender Datenanalysen, helfen dabei, die fehlenden Verbindungen zu identifizieren, die verhindern, dass diese Informationen mit den strategischen Zielen und Richtlinien des Unternehmens in Einklang gebracht werden. Solche Lücken können beispielsweise fehlende Einblicke in Asset-Risiken, Kritikalität oder Verbesserungspotenziale sein.

Sobald diese Lücken identifiziert sind, können Fortschritte im Bereich Asset Performance Management (APM) helfen, sie zu schließen.

So ist HxGN-APM speziell darauf ausgelegt, vorhandene Informationen – wie Arbeits-, Kosten- und Ausfallhistorien aus dem EAM – zu nutzen, um Erkenntnisse zu generieren, die bisher fehlen: Asset-Risiken, Chancen, Kosten und Leistungsdaten.

Die integrierte Asset Twin Library enthält über 200 digitale Abbilder gängiger industrieller Asset-Klassen. Diese „Asset Twins“ sind bereits mit vordefinierten Details wie Ausfallarten, vorbeugenden Instandhaltungsmaßnahmen und Analysen ausgestattet. Damit können Unternehmen Schutzstrategien für ihre Assets besonders schnell aufsetzen – was Hexagon als den „Ten Minute Twin“ bezeichnet – und den Aufwand für Implementierung sowie IT-Ressourcen erheblich reduzieren.

Mit dieser soliden Grundlage ist HxGN-APM darauf ausgelegt, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Asset-Management-Strategien kontinuierlich an den Unternehmenszielen auszurichten und dabei Leistung, Kosten und Risiken im Gleichgewicht zu halten.

Dies gelingt durch die Schaffung von Transparenz über umgesetzte Asset-Strategien, die eine fortlaufende Überwachung des Asset-Zustands und der Leistung ermöglichen. So können Risiken bewertet und die Qualität der Asset-Management-Entscheidungen nachhaltig verbessert werden.

Dieser Ansatz steht im Einklang mit den ISO-55000-Prinzipien der kontinuierlichen Verbesserung. Anstatt „Reife“ als Selbstzweck zu verfolgen, können sich Unternehmen auf das Wesentliche konzentrieren: die Verbesserung der finanziellen Performance, die Förderung von Nachhaltigkeit und ein effektives Risikomanagement.

Kontaktieren Sie uns, um zu erfahren, wie unsere Tools und unsere Expertise Ihnen helfen können, den Grad an Transparenz zu erreichen, den Sie benötigen, um als Asset-Management-Profi noch mehr von dem zu tun, was Sie am besten können.